Sämtliche Inhalte auf der Webseite © by Bianca Ott

DEA ARTIS

 

Juni 2012

 

Fotograf: Andreas Haus

Haare & Makeup: Ramona Kempf

Konzept und Bearbeitung:

Bianca Ott

Plakate im Format A0, pro Sujet 4 Stück, auf Doppelständer gekleistert und an den Orten platziert wo die Fotografie entstanden ist

Hierbei handelt es sich um ein Einzelprojekt welches im Rahmen einer grossen Ausstellung vom

09. Juni – 08. Juli 2012, mit Werken von 18 anderen Kunstschaffenden im öffentlichen Raum gezeigt wurde. Es gab an vier Sonntagen Führungen, welche von uns Studierenden (ich leitete auch eine davon), Mitgliedern des Kulturkreises und von Dozenten des Instituts Kunst durchgeführt wurden.

 

Thema und Inhalt meines Projektes:

Dea Artis ist eine fiktive Gestalt die verführt und irritiert. Sie wird fleischgeworden als Politikerin verschiedenster Couleur im Surbtal in Szene gesetzt. Die Künstlerin inszeniert sich selbst in von der Politik gewohnter Manier, bedient Klischees und stellt Behauptungen auf. Sie verändert sich und passt sich verschiedenen Rollen an. Eine Kunst- und Kulturfigur die sich der politischen Sprache und der Medien der jeweiligen Parteien bemächtigt um zur Bevölkerung zu sprechen. Als Kommunikationsmittel wird das Wahlkampfplakat verwendet.

 

Dea Artis will jeden einzelnen Menschen, entsprechend seiner politischen Gesinnung ansprechen und ihn für sich und ihre Gedanken gewinnen. Sie will in die Herzen und Köpfe der Leute täuscht sie aber zugleich, weil sie sich optisch und inhaltlich an verschiedene Klientel anpasst, aber immer mit dem gleichen Ziel: Dass alle für sie stimmen. Dadurch materialisiert sich folgende Idee:

Am Schluss gewinnt die Kunst und nicht ein bestimmtes Parteiprogramm.

 

Geplante Realisierung und Platzierung der Arbeit

Um die vorher genannten Effekte zu verstärken, wird die fiktive Politikerin an verschiedenen markanten Orten zwischen Döttingen und Lengnau fotografiert. Der Hintergrund wird leicht unscharf auf das Plakat kommen, aber nur so weit verfremdet, dass man ihn noch entsprechend verorten kann.

Um den Betrachter zusätzlich zu irritieren, werden zwei Plakate an der entsprechenden Stelle wo das Foto gemacht wurde platziert. So wird zusätzlich der Eindruck einer Allgegenwart vermittelt. Es wird bewusst mit Mechanismen des realen Stimmenfangs gespielt, doch werden einzelne Elemente überhöht.

 

Slogans

Eine weitere Ebene des Projekts ist das Wort. Neben Bildern von Politikern stehen auch Sätze oder kurze Texte, die den Wähler zusätzlich überzeugen sollen, die entsprechende Person zu unterstützen. Bei diesem Plakaten wird mit Tautologien und Truismen (Binsenweisheiten) gearbeitet – ein Spiel mit Grenzwertigkeit. Mit diesen rhetorischen Mitteln soll aufgezeigt werden, dass im Kampf um Wählerstimmen und Sympathien oft die Optik einer Person massgebend ist, und nicht der Inhalt von Texten.

Dennoch soll hier, wenn auch abstrahiert, Bezug zum Surbtal und den aktuellen Themen in der Politik genommen werden.

SVP:        Kunst ist betörend - lassen Sie sich verführen

FDP:       Kunst darf was die Politik nicht kann

CVP:      Kunst stört, verstört, zerstört und erschafft Neues aus dem Nichts

SP:        Kunst für alle statt für jedermann

Grüne:  Mehr Vielfalt weniger Einfalt

 

Logos und Layout

Was für das Corporate Branding einer Partei wichtig ist, sind neben dem Parteiprogramm auch Logos und Layouts, welche bei Kampagnen verwendet werden. Durch diese Stilmittel wird das Image einer Gruppe geprägt und ein Wiedererkennungseffekt erzeugt.

Für Dea Artis werden die bereits vorhandenen Logos der 5 grössten im Aargau vertretenen Parteien (gemäss Sitzverteilung im Grossen Rat) genutzt. Sie werden grafisch neu interpretiert (grundlegende Elemente werden aber beibehalten) und statt der üblichen Kürzel (SVP, SP, CVP, FDP, GPS) werden die Buchstaben DA als Platzhalter verwendet.

 

Umsetzung

Bevor die Arbeiten realisiert werden konnten gab es eine Eingabe und Jurierung der eingereichten Ideen. Darin enthalten waren Konzepttexte, Skizzen, Vorschläge für die Platzierung, Kosten etc. Um die benötigten Bilder von mir zu produzieren arbeitete ich mit einem Fotografen (Andreas Haus), einem Assistenten und einer Visagistin zusammen. So konnten wir vor Ort entsprechend agieren.

 

Dea Artis hat für mich in meinem Schaffen einen hohen Stellenwert. So habe ich mich entschieden die Thematik des Wahlkampfes für meine Diplomarbeit noch einmal aufzugreifen. Dafür konzentrierte ich mich dann auf Basel. Die Plakate sind noch weiter reduziert und der Irritationsgrad wurde dadurch erhöht. Keine Logos, keine Slogans, sondern Köpfe.

 

Am 17. Mai 2013 erschien in der Tageswoche ein zweiseitiger Artikel über Dea Artis.

Es gab auf der Tageswoche Homepage einen Aufruf zwei Kandidaten die in der ganzen Region Basel plakativ vertreten sind anders zu gestalten. Ich schrieb ein Mail an die Onlineredaktion mit einem kurzen Projektbeschrieb meiner Arbeit mit der Anmerkung, dass diese hervorragend zum Thema passt. Kurze Zeit später erhielt ich eine Nachricht von Michael Rockenbach, dass er gerne über meine Kunst schreiben würde. Nach einem einstündigen Telefoninterview verfasste er folgenden Beitrag:

 

http://www.tageswoche.ch/de/2013_20/basel/542299/nicht-schon-wieder.htm